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Weideprojekt Basdorfer Hutewald

Weideprojekt Basdorfer Hutewald
Region/Lage Waldeck-Frankenberg, Vöhl-Basdorf, Kellerwald
Geo-Koordinaten 8° 58' 25'' O, 51° 11' 59'' N,
Lebensraumtyp Eichenmischwald, Hutewald
Flächengröße 7 ha
Tierrassen (Anzahl) Düppeler Schwein, Buntes Bentheimer Schwein, Schwäbisch-Hällisches Landschwein (22)
Beweidungstyp saisonal
Finanzierung -
Schutzgebiete -
Projektwebsite www.hutewald-basdorf.de

Friedrich Schäfer
Basdorfer Hutewald e.V.
Brunnenstraße 10
34516 Vöhl-Basdorf
Tel.: (0 56 35) 5 96
E-Mail: info (at) hutewald-basdorf . de

Träger:

Basdorfer Hutewald e.V.
Friedrich Schäfer
Brunnenstraße 10
34516 Vöhl-Basdorf
Tel.: (0 56 35) 5 96
E-Mail: info (at) hutewald-basdorf . de
HESSEN-FORST
Eberhard Leicht
Forstamt Vöhl
Schlossstraße 4
D- 34516 Vöhl- Edersee
Tel.: (0 56 35) 8888 11
E-Mail: Eberhard.Leicht (at) Forst.Hessen . de

Beweider:

Friedrich Schäfer
Basdorfer Hutewald e.V.
Brunnenstraße 10
34516 Vöhl-Basdorf
Tel.: (0 56 35) 5 96
E-Mail: info (at) hutewald-basdorf . de

Projektbeschreibung

Das die Haltung von Schweinen im Freiland und Eichelmast über Jahrhunderte hinweg auch in unseren Breiten eine wirtschaftlich bedeutende Waldnutzungsform war und die Struktur unserer Laubwälder mitgeprägt hat, möchten der Landesbetrieb Hessen-Forst und der gerade gegründete Verein Basdorfer Hutewald e.V. einer interessierten Öffentlichkeit durch ein gemeinsames Eichelmastprojekt in einem Waldbereich nördlich des Edersees demonstrieren.

Nach einigen Jahrzehnten der Stallhaltung ist nun nicht nur der Schweinehirte überall aus dem Dorfleben verschwunden, sondern vielerorts auch das Wissen um eine über Jahrtausende gepflegte Form der Waldnutzung verloren gegangen.

Dies war für den Landesbetrieb Hessen-Forst und einige innovationsfreudige Landwirte in der Region der Anstoß für ein Projekt Eichelmastschwein.

Mit dem „Eintrieb“ von Hausschweinen in einen 7 ha großen Eichenbestand südwestlich des Vöhler Ortsteils Basdorf wollen die Initiatoren nicht nur eine traditionelle Waldnutzungsform wieder aufleben lassen, sondern gleichzeitig

  • im Umfeld des Nationalparks Kellerwald- Edersee einen weiteren Anlaufpunkt für Besucher anbieten,
  • seltene Hausschweinrassen wieder in den Blickpunkt des Interesses stellen und
  • hochwertige Nischenprodukte (luftgetrocknete Schinken, Würste pp.) erzeugen.

Als Betreiber des Projektes konstituierte sich der gemeinnützige Verein Basdorfer Hutewald e.V., der die Waldfläche von Hessen-Forst angepachtet hat. Die Mitglieder sind örtliche Landwirte und sonstige am Projekt interessierte Privatpersonen.

Der dezent hinter den Waldrand gelegte Zaun umschließt einen 158-jährigen, teilweise zweischichtigen Eichenbestand mit Buchen und Hainbuchen auf Tonschiefer-Verwitterungsmaterial in der oberen Buchenmischwaldzone (330 bis 370 m ü.NN). Eichen sind zu 50 % am Hauptbestand beteiligt, nachdem im Winter 2003/ 2004 eine konsequente Kronenpflege durch Entnahme konkurrierender Buchen, Hainbuchen und Kiefern erfolgt ist. In Unterstand und Verjüngung gibt jedoch die Dominanz der Buche einen deutlichen Hinweis auf die natürliche Waldgesellschaft, das Luzulo-Fagetum. Der Gesamt- Derbholzvorrat beläuft sich auf 140 Vfm/ ha. Einzelne stärkere Eichen mit tief angesetzter Krone wie auch die Beteiligung des Wacholders in der Strauchschicht lückiger Bestandespartien deuten darauf hin, dass hier historisch Hutebetrieb stattgefunden hat.

Naturschutzfachliche Ziele / Erfolgskontrolle

Das Projekt "Basdorfer Hutewald" soll primär eine Jahrhunderte lang praktizierte Waldnutzungsform wieder in das Bewusstsein der Bevölkerung bringen und seltene - regional längst ausgestorbene - Haustierrassen fördern. Dennoch sind Weideprojekte mit Schweinen aus naturschutzfachlicher Sicht interessant:

Das auffälligste Merkmal von weidenden Schweinen ist die oft intensive Wühlaktivität bei der Nahrungssuche. Die hierdurch geschaffenen Rohbodenbereiche besitzen eine hohe Bedeutung für konkurrenzschwache Pflanzen- und Tierarten. Eine genaue Vorhersage über die Auswirkungen dieser Wühlaktivität gestaltet sich schwierig. Weideschweine haben insbesondere im Bereich des Feuchtgrünlandes über Jahrhunderte eine große Morpho- und Vegetationsdynamik bewirkt. Die extensive Freilandhaltung von Schweinen dürfte dem Naturschutz zusätzliche Möglichkeiten zum Erhalt von Lebensräumen und Standortbedingungen bieten, die ansonsten nur mit Hilfe kostenintensiver Pflege zu erbringen ist.

Freilandhaltung von Schweinen initiiert "Übergangslebensräume" (Ökotone) und kann den allmählichen Übergang von Offenland zu Wald fördern. Diese Strukturen sind für viel Arten extrem wichtig (sogenannte Saumarten,"Lichtwaldarten") und gibt es in unserer heutigen Landschaft kaum noch. Diasporen - Samen, Früchte, Sporen - von vermeintlich verschwunden Pflanzenarten können durch die Wühltätigkeit unter Umständen 'aktiviert' werden. Vorraussetzung ist jedoch, dass die Schweine nicht in zu hoher Dichte auf den Flächen leben.

Die im Projekt eingesetzten Düppeler Weideschweine spielten eine nicht unerhebliche Rolle bei einem interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsvorhaben des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie (BMBF). Hier wurden neben verschiedenen Fragestellungen im Hinblick auf die Freilandhaltung von Hausschweinen deren potenzieller Beitrag zur Offenhaltung von Feuchtgrünland, Ackerbrachen und Halbtrockenrasen und zur Erhaltung so genannter Schweineweideunkräuter untersucht. Auf Störungen angewiesene Offenbodenbesiedler, z.T. hochgradig gefährdete mehrjährige Arten wie z.B. das Gnadenkraut (Gratiola officinalis), die Polei-Minze (Mentha pulegium) und der Knoblauch-Gamander (Teucrium scordium), aber auch der zwischenzeitlich in Deutschland vermutlich ausgestorbene Kleefarn (Marsilea quadrifolia) können durch Weideprojekte mit Schweinen gefördert werden und damit generell die Biodiversität in der Kulturlandschaft.

Beweidungsmodus

Die Herde besteht aus Sauen und Läuferschweinen beiderlei Geschlechts, wobei die männlichen Läufer kastriert sind (Borke). Im Verlauf des Monats Dezember werden die Läuferschweine geschlachtet, drei reinerbige Sauen besamt und „aufgestallt“ sowie zwei tragende Sauen zugekauft.

Die maximale Jahres-Verweildauer im Wald beträgt 4 Monate

Öffentlichkeitsarbeit / Umweltbildung

Die Wiederbelebung einer solch alten Tradition und der besondere Erlebniswert des Projektes hat dazu beigetragen, dass der Basdorfer Hutewald eine feste Größe unter den touristischen Anlaufpunkten der Region wurde, durch:

  • Die Freude an der Beobachtung der Tiere,
  • besondere Events, wie Schweine- Eintrieb, Schweine- Austrieb,
  • kulinarische Veranstaltungen rund um das Eichelmastschwein „Basdorfer Schweinereien“,
  • die landschaftlich reizvolle Lage am Eingang des idyllischen Altbachtals sowie
  • die Kombinierbarkeit mit den nahe gelegenen anderen Besucherangeboten

Auch das Forstamt Vöhl nutzt den Hutewald im Rahmen seines Konzeptes zur Öffentlichkeitsarbeit.

Hinweistafeln an der B 252 in Herzhausen, in der Ortsmitte von Vöhl, am Maislabyrinth Basdorf, an der Ortsabfahrt Basdorf der L 3086 sowie an der gemeinsamen Maschinenhalle in der Brunnenstraße sollen Besucher der Ederseeregion auf das Projekt aufmerksam machen. Zusätzlich werden auf größeren Informationstafeln die Zielsetzungen des Projekts erläutert. Darüber hinaus sind Faltblätter, ein eigener Internetauftritt, die Einbindung in regionale Tourismuskonzepte (Edersee- Touristik, Touristik Waldeck- Frankenberg) und eine umfassende Broschüre vorgesehen.

Regionale Vermarktung

Im Basdorfer Hutewald werden die Tiere traditionell und artgerecht gehalten. Daher hat das produzierte Schweinefleisch höchste Qualität. Die Produkte werden regional vermarktet.

Historie / Historische Nutzung

Bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wurden Hausschweine in die Gemeinde- oder Gemeinschaftswaldungen der Region zur herbstlichen Mast eingetrieben, in den meisten Dörfern gab es einen Schweinehirten, auf dessen Zeichen hin die Bauern morgens die „Sau raus ließen“, um sie zur Weide führen zu lassen. Das Weiden von Schweinen in freier Natur war fester Bestandteil des Dorflebens und der Ortskultur.

Die auf frühere Waldweide hinweisenden Flurbezeichnungen wie Hute, Trift oder Eckerich sind recht häufig und vielen Ortsbewohnern auch geläufig. Daher hat sich quasi von selbst der Name Basdorfer Hutewald ergeben. Dass die Schweine hier nicht im traditionellen Sinne gehütet werden (können), hat der Namensgebung keinen Abbruch getan.

Genehmigungsverfahren

Neben Veterinärrecht wird durch das Projekt vor allem Naturschutzrecht berührt: Der Wald liegt im Naturpark Kellerwald- Edersee und im Landschaftsschutzgebiet Edersee. Da das Projekt keinerlei landschaftspflegerische Zielsetzung verfolgt, andererseits aber eine gewisse Infrastruktur benötigt (Hygieneschleuse, Besucherplattform, kleine Schutzhütten für die Tiere, Krippen zur Lockfütterung u.a.) war eine Eingriffsgenehmigung gem. §§ 6 ff. des hessischen Naturschutzgesetzes (HENatG) erforderlich. Benötigt wurde auch eine Ausnahmegenehmigung von den Verboten der Landschaftsschutzverordnung. Als naturschutzfachliche Kompensation (§ 6b HENatG) sah der Genehmigungsbescheid der unteren Naturschutzbehörde die Renaturierung eines Schluchtwaldrelikts (Fraxino-Aceretum pseudoplatani) und eines Nadelholz geprägten Hainsimsen- Buchenwaldes mit Traubeneichen durch Auszug von Fichten und Kiefern auf einer Fläche von 5 ha vor.

Parallel wurde ein forstrechtlicher Diskurs über die Fragestellung geführt, ob eine Schweinemast auf Waldflächen als ordnungsgemäße Forstwirtschaft im Rahmen „Guter fachlicher Praxis“ anzusehen ist. . Wäre dies verneint worden, hätte sich als Rechtsfolge das Erfordernis einer rechtlichen Umwidmung gemäß § 12 des hessischen Forstgesetzes (HFG) ergeben (Umwandlung von forstwirtschaftlicher in landwirtschaftliche Nutzungsart). . Diese Auffassung hat sich schließlich vor allem unter Bezugnahme auf das Kriterium der Erholungseignung im Kontext der Definition des Waldbegriffs gem. § 1 Abs. 2 HFG und die in § 4 Abs. 2 HFG normierten waldpädagogischen Aufgaben des Landesbetriebes Hessen-Forst nicht durchgesetzt.

Nach der Richtlinie für die Bewirtschaftung des hessischen Staatswaldes (RiBeS 2002) gehören zudem auch „Waldverbundenheit und Brauchtum im Rahmen der besonderen Gemeinwohlverpflichtungen zu den betrieblichen Aufgaben und sind zu fördern“ (Tz. . 1.4.3 Erholungs- und kulturelle Wirkungen, Umweltbildung). Ein kulturelles Anlegen ist es auch, die Besucher der Region mit traditionellen Hausschweinrassen vertraut zu machen. In bescheidenem Umfang könnte so über Interesse und Wertschätzung die für die Erhaltung der Rassen so notwendige Verbrauchernachfrage angeregt werden.

Der Tierbestand

Am ersten Eintrieb im August 2005 waren die drei genannten Rassen mit zusammen 22 Tieren beteiligt (3 Tiere je ha). Nach Erfahrungswerten aus dem Offenland, wo bis zu 5 Tiere je ha ganzjährig eingesetzt werden können ohne nennenswerte Eutrophierungen zu verursachen, kann die „Besatzdichte“ als eher extensiv bezeichnet werden, zumal die maximale Jahres-Verweildauer im Wald 4 Monate beträgt.

Monitoring

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Wirtschaftlichkeit

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Bilder


Weideprojekte in Hessen – Online
Quelle: http://www.weideprojekte-hessen.de/weideprojekte/hessen/basdorfer-hutewald/ [Stand: 18.10.2017]
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