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Problemarten / Neophyten und Weideprojekte

Problemarten und Neophyten auf der Heck-Rindkoppel Zwester Ohm I

Drüsiges SpringkrautDrüsiges Springkraut

Der Neophyt Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera), der mittlerweile ein bestimmender Bestandteil der Auen von Flüssen und Bächen in Deutschland ist und auch im Projektgebiet Zwester Ohm I schon vor der Beweidung sehr häufig war, ist in der Krautschicht gepflanzten Auwälder der Heck-Rind-Koppel zunächst noch häufiger geworden.

Die Art hat den Vorteil, dass sie als einjährige erst im Frühling keimt, durch ihren Geruch unattraktiv ist und während des Sommers aufgrund des reichen Angebotes an anderen, schmackhafteren Dingen, von den Heck-Rindern verschmäht wird. Vor den Hungerperioden im Winter dann hat die Art schon wieder eingezogen und ausgesamt. Außerdem wird sie durch den Kuhtritt und die damit verbundene Schaffung von Störungen und geeigneten Keimbetten bevorteilt. Glücklicherweise sind im Weideprojekt "Zwester Ohm I" die ersten Tiere (Gustav, dann Gabi und Gesine) im Herbst 2006 auf den Geschmack gekommen und haben begonnen, wegen der wegspritzenden Samen mit geschlossen Augen vor allem die Fruchtstände des Springkrautes zu fressen. Ab Juli 2007 sind die Bestände von Impatiens glandulifera flächig so stark befressen worden, dass der Großteil kaum zur Blüte nur ausnahmsweise zur Samenaustreu gelangte. Hier waren vor allem die von Januar bis Mai geborenen Jungtiere aktiv, was sich in der Fraßhöhe zeigt. Unseres Wissens war bisher nicht bekannt, dass Heck-Rinder auch Impatiens glandulifera fressen.

Acker-KratzdistelWeideunkraut Acker-Kratzdistel

Das Weideunkraut Acker-Kratzdistel (Cirsium arvense) hat in den ersten Jahren der Beweidung an einigen Stelle zugenommen und geschlossene, mehrer Quadratmeter große Rein-Bestände gebildet. Die Art wird von den Heck-Rindern nur ausnahmsweise gefressen und profitiert bei der Keimung von der lokal durch Tritte der Tiere aufgerissenen Vegetationsdecke. Interessanterweise ist die Art bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt wieder leicht zurück gegangen. Möglichweise spielt hierbei eine Rolle, dass die Bereiche durch den starken Winterverbiss „vergrasen“, d.h., die bei starker Beweidung (Winter) konkurrenzstärkeren Gräser durch ihren Filz die Etablierung von jungen Distelpflanzen zunehmend erschweren.


FlatterbinseFlatter-Binse (Juncus effusus)
© Foto: S. Rösner

In frischen und feuchten Bereichen können Rasen-Schmiele (Deschampsia cespitosa) und vor allem Flatter-Binse (Juncus effusus) sich stark ausbreiten und bei einem derartigen Beweidungsregime problematisch werden, wie dies bei anderen Beweidungsprojekten zum Teil der Fall ist. Beide Arten sind hartfaserig und bieten nur minderwertiges Futter, weshalb sie von Rindern aber auch anderen Weidetieren so lange verschmäht werden, bis überhaupt nichts anders mehr vorhanden ist und die Tiere wirklich starken Hunger haben. Rinder, die nicht als „Robust-Rasse“ eingestuft werden, verschmähen Juncus effusus häufig völlig. Die Heck-Rinder fressen beide Arten vor allem im Spät-Winter, wenn starke Futterknappheit herrscht (s. Fotos). Sie befressen die Binse zum Glück etwas eher und intensiver, als dies zum Beispiel Hinterwälder-Rinder im Projekt Artzbachtal tuen. Dies hat zur Folge, dass die Flatterbinse und die weniger widerstandsfähige Rasen-Schmiele im Weide-Projekt Zwester-Ohm I nicht häufiger geworden sind, ohne dass man die Rinder hierfür zu stark hungern lassen musste. Die Robust-Rasse Heck-Rind zeigt hierbei ihre besondere Robustheit und Genügsamkeit.


Weideprojekte in Hessen – Online
Quelle: http://www.weideprojekte-hessen.de/forschung/problemarten-neophyten/ [Stand: 22.10.2018]
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